Die Qualität hinsichtlich der Bedeutung mancher Wörter verhält sich oftmals reziprok zu der Quantität ihrer Verwendung, insbesondere wenn selbige inflationär erfolgt.
Dieser klug klingende Satz sagt eigentlich ganz simpel: Wörter leiern aus, wenn man sie zu häufig gebraucht. Insbesondere, wenn man die eigentliche Kernbedeutung dieser Wörter immer weiter bis hin zur völligen Sinnentstellung ausdehnt.
"Abzocke" ist solch ein Wort. Wenn einem Schüler suggeriert wird, auf eine Website bekäme er Hausaufgabenhilfe, im Nachhinein dann aber eine saftige Rechnung zugestellt wird, deren Rechtfertigung auf der Startseite in hellgrauer Subminiaturschrift auf weißem Hintergrund zu lesen war, dann ist das Abzocke. Wenn die Preise von Konsumgütern steigen, weil - beispielsweise - die Rohstoffpreise gestiegen sind, ist das teuer - wird aber auch gerne und häufig als "Abzocke" tituliert. "Abzocke" hier, "Abzocke" da - Butter, Benzin, Telefon, GEZ, Steuern, Gas, Strom - alles "Abzocke".
"Abzocke" ist der kollektive Aufschrei der Konsumenten von Verblödungsmedien, wenn sie etwas nicht so gut finden, kognitiv aber an der Hürde scheitern, dieses "nicht so gut" in ordentliche Kritik zu verpacken. Manchmal verstehen sie noch nicht einmal, warum genau es nicht so gut ist - egal. Man pappt sich den der BILD beigelegten Aufkleber "Steuer-Abzocke - nein danke!" auf die Heckscheibe und fühlt sich eine Weile lang gut, weil man mal protestiert und auf den Tisch haut und so gegen diese Abzocke.
"Abzocke" ist für mich ein Signalwort geworden, dass mich die Lektüre eines Artikels genau an dem Punkt abbrechen lässt, wo es auftritt. Meistens trifft das schon auf die Überschrift zu, da bin ich dann schon etwas dankbar für, immerhin habe dadurch unter Umständen einiges ein Zeit eingespart. "Sparen" - ha! Da geht es direkt weiter!
"Sparen" bedeutet eigentlich, Geld nicht auszugeben. Wenn ich in der Werbung aber aufgefordert werde, mir jetzt das Produkt XY zuzulegen und durch den Aktionspreis bares Geld zu sparen, kriege ich 'nen Synapsenkurzschluss. Gut, ich bin ja nicht vollkommen frei von Interpretationsvermögen - mal angenommen, ich müsste mir dringend eine neue Waschmaschine zulegen, und der Media-Markt hätte gerade eine im Supersonderangebot, dann würde ich sagen, "Vielen Dank, liebe Werbung, durch die Information habe ich jetzt bares Geld eingespart!", aber auch nur dann. Größtenteils will Werbung, die das Wort "sparen" beinhaltet, mich dazu verleiten, Geld auszugeben, was ich mir eigentlich hätte sparen können.
Komplette Ignoranz dieser Wörter ist leider bei näherer Betrachtung auch kein goldener Weg. So würde ich beispielsweise aus ignoranter Prinzipienreiterei den gut gemeinten Rat "Dein uralter Handyvertrag ist ja Abzocke! Wenn Du in ein neueres Vertragsmodell wechselst, kannst Du bares Geld sparen!" komplett ignorieren - ist auch nicht so toll.
Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als weiterhin meinen Unmut über "Abzocke" und "sparen" kund zu tun. Man kann ja darüber bloggen.
Übrigens muss ich dringend mal daran denken, für nächstes Jahr meine ADAC-Mitgliedschaft zu kündigen, dadurch könnte ich bares Geld sparen, zumal ich seit vier Jahren kein Auto mehr habe. Das ist doch Abzocke!
Dieser klug klingende Satz sagt eigentlich ganz simpel: Wörter leiern aus, wenn man sie zu häufig gebraucht. Insbesondere, wenn man die eigentliche Kernbedeutung dieser Wörter immer weiter bis hin zur völligen Sinnentstellung ausdehnt.
"Abzocke" ist solch ein Wort. Wenn einem Schüler suggeriert wird, auf eine Website bekäme er Hausaufgabenhilfe, im Nachhinein dann aber eine saftige Rechnung zugestellt wird, deren Rechtfertigung auf der Startseite in hellgrauer Subminiaturschrift auf weißem Hintergrund zu lesen war, dann ist das Abzocke. Wenn die Preise von Konsumgütern steigen, weil - beispielsweise - die Rohstoffpreise gestiegen sind, ist das teuer - wird aber auch gerne und häufig als "Abzocke" tituliert. "Abzocke" hier, "Abzocke" da - Butter, Benzin, Telefon, GEZ, Steuern, Gas, Strom - alles "Abzocke".
"Abzocke" ist der kollektive Aufschrei der Konsumenten von Verblödungsmedien, wenn sie etwas nicht so gut finden, kognitiv aber an der Hürde scheitern, dieses "nicht so gut" in ordentliche Kritik zu verpacken. Manchmal verstehen sie noch nicht einmal, warum genau es nicht so gut ist - egal. Man pappt sich den der BILD beigelegten Aufkleber "Steuer-Abzocke - nein danke!" auf die Heckscheibe und fühlt sich eine Weile lang gut, weil man mal protestiert und auf den Tisch haut und so gegen diese Abzocke.
"Abzocke" ist für mich ein Signalwort geworden, dass mich die Lektüre eines Artikels genau an dem Punkt abbrechen lässt, wo es auftritt. Meistens trifft das schon auf die Überschrift zu, da bin ich dann schon etwas dankbar für, immerhin habe dadurch unter Umständen einiges ein Zeit eingespart. "Sparen" - ha! Da geht es direkt weiter!
"Sparen" bedeutet eigentlich, Geld nicht auszugeben. Wenn ich in der Werbung aber aufgefordert werde, mir jetzt das Produkt XY zuzulegen und durch den Aktionspreis bares Geld zu sparen, kriege ich 'nen Synapsenkurzschluss. Gut, ich bin ja nicht vollkommen frei von Interpretationsvermögen - mal angenommen, ich müsste mir dringend eine neue Waschmaschine zulegen, und der Media-Markt hätte gerade eine im Supersonderangebot, dann würde ich sagen, "Vielen Dank, liebe Werbung, durch die Information habe ich jetzt bares Geld eingespart!", aber auch nur dann. Größtenteils will Werbung, die das Wort "sparen" beinhaltet, mich dazu verleiten, Geld auszugeben, was ich mir eigentlich hätte sparen können.
Komplette Ignoranz dieser Wörter ist leider bei näherer Betrachtung auch kein goldener Weg. So würde ich beispielsweise aus ignoranter Prinzipienreiterei den gut gemeinten Rat "Dein uralter Handyvertrag ist ja Abzocke! Wenn Du in ein neueres Vertragsmodell wechselst, kannst Du bares Geld sparen!" komplett ignorieren - ist auch nicht so toll.
Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als weiterhin meinen Unmut über "Abzocke" und "sparen" kund zu tun. Man kann ja darüber bloggen.
Übrigens muss ich dringend mal daran denken, für nächstes Jahr meine ADAC-Mitgliedschaft zu kündigen, dadurch könnte ich bares Geld sparen, zumal ich seit vier Jahren kein Auto mehr habe. Das ist doch Abzocke!
banger | philosophisch. | 8. Okt, 11:18
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