Gestern bei gnogongo gesehen und für absolut lesenswert befunden: "Internetzensur: Missbrauchsopfer kämpfen gegen Netzsperren".
Doch auf die Opfer selbst wird man in der Politik ebenso wenig hören wollen wie auf die Aussagen von Fachleuten, die von unserer thematisch erschreckend inkompetenten Familienministerin Ursula von derLaien Leyen schlichtweg als Mumpitz abgetan wurden. Zudem werden Zahlen und Fakten mutwillig fehlinterpretiert.
Das Magengrummeln verstärkt sich gegen Ende des Spiegel-Artikels:
Und in Deutschland stehen die Interessensgruppen bereits in den Startlöchern. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, hakte sich sogleich bei der Ministerin ein: "Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums." Das ist die mühsam verklausulierte Forderung, unliebsame P2P-Linkseiten auf die Sperrliste zu hieven.
Betrachten wir mal die Situation: Wir haben mittlerweile zwei Minister, die selbst eher durch Aussagen glänzen, die (nicht nur) dem Fachmann die Haare zu Berge stehen lassen, die Bedenken und Einschätzungen der Situation von Fachleuten durch die Bank ignorieren und sich auf populistische Schlagworte stützen, deren Unterstützung Gegner ihrer Vorhaben postwendend bezichtigt werden: Terrorismus und Kinderpornographie.
Unter dieser Flagge werden die Freiheit und die Bürgerrechte sowhl im Internet als auch im öffentlichen Leben Schritt für Schritt ausgehebelt. Überwachung, wo man nur hinsieht, und eine Regierung, die über geheimgehaltene Listen darüber bestimmen will, was der Bürger sehen darf und was nicht.
Nun leben wir in einer Demokratie, und zur Wahl hätten wir alle die Gelegenheit, durch unsere Stimme diesem Treiben einen deutlichen Riegel vorzuschieben. Ich schenke dem jedoch wenig Hoffnung, steht doch ein großer Teil der Bevölkerung auf dem Standpunkt, man habe eh nichts zu verbergen und es sei eine gute Sache, wenn der Zugang zu Kinderpornographie erschwert wird.
Die Frage lautet nur, ob man immer noch dieser Ansicht sein wird, wenn man eines Tages feststellt, dass man gar nichts mehr verbergen könnte und der vermeintliche Kampf gegen die Kinderpornographie nur das Tor zu einer weitreichenden Informationszensur nach Gutdünken der Machthabenden war.
Nachtrag:
Mit welcher Blasiertheit Kritik in den Reihen der Politiker aufgenommen wird, zeigt Dr. Hans-Peter Uhl, CSU, mit Bravour - natürlich lässt auch er das ultimative Totschlagargument nicht aus:
Für mich steht jedoch fest, dass z.B. das Freiheitsrecht eines Kindes, nicht sexuell missbraucht und Pädophilen zur Schau gestellt zu werden, um einiges höher zu bewerten ist als eine verabsolutierte "Freiheit des Internets" oder anderes dummes Geschwätz. Die ganze pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten, man müsse um jeden Preis ein "unzensiertes Internet" verteidigen etc. - vgl. www.ccc.de -, fällt für mich in die Kategorie: juristisch ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen.
(via MMsSenf)
"Pseudo-Computerexperten", Herr Dr. Uhl? Es gibt da so ein weitbekanntes Sprichwort mit den Kernelementen "Glashaus" und "Steinen".
Doch auf die Opfer selbst wird man in der Politik ebenso wenig hören wollen wie auf die Aussagen von Fachleuten, die von unserer thematisch erschreckend inkompetenten Familienministerin Ursula von der
Das Magengrummeln verstärkt sich gegen Ende des Spiegel-Artikels:
Und in Deutschland stehen die Interessensgruppen bereits in den Startlöchern. Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, hakte sich sogleich bei der Ministerin ein: "Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums." Das ist die mühsam verklausulierte Forderung, unliebsame P2P-Linkseiten auf die Sperrliste zu hieven.
Betrachten wir mal die Situation: Wir haben mittlerweile zwei Minister, die selbst eher durch Aussagen glänzen, die (nicht nur) dem Fachmann die Haare zu Berge stehen lassen, die Bedenken und Einschätzungen der Situation von Fachleuten durch die Bank ignorieren und sich auf populistische Schlagworte stützen, deren Unterstützung Gegner ihrer Vorhaben postwendend bezichtigt werden: Terrorismus und Kinderpornographie.
Unter dieser Flagge werden die Freiheit und die Bürgerrechte sowhl im Internet als auch im öffentlichen Leben Schritt für Schritt ausgehebelt. Überwachung, wo man nur hinsieht, und eine Regierung, die über geheimgehaltene Listen darüber bestimmen will, was der Bürger sehen darf und was nicht.
Nun leben wir in einer Demokratie, und zur Wahl hätten wir alle die Gelegenheit, durch unsere Stimme diesem Treiben einen deutlichen Riegel vorzuschieben. Ich schenke dem jedoch wenig Hoffnung, steht doch ein großer Teil der Bevölkerung auf dem Standpunkt, man habe eh nichts zu verbergen und es sei eine gute Sache, wenn der Zugang zu Kinderpornographie erschwert wird.
Die Frage lautet nur, ob man immer noch dieser Ansicht sein wird, wenn man eines Tages feststellt, dass man gar nichts mehr verbergen könnte und der vermeintliche Kampf gegen die Kinderpornographie nur das Tor zu einer weitreichenden Informationszensur nach Gutdünken der Machthabenden war.
Nachtrag:
Mit welcher Blasiertheit Kritik in den Reihen der Politiker aufgenommen wird, zeigt Dr. Hans-Peter Uhl, CSU, mit Bravour - natürlich lässt auch er das ultimative Totschlagargument nicht aus:
Für mich steht jedoch fest, dass z.B. das Freiheitsrecht eines Kindes, nicht sexuell missbraucht und Pädophilen zur Schau gestellt zu werden, um einiges höher zu bewerten ist als eine verabsolutierte "Freiheit des Internets" oder anderes dummes Geschwätz. Die ganze pseudo-bürgerrechtsengagierte Hysterie von Pseudo-Computerexperten, man müsse um jeden Preis ein "unzensiertes Internet" verteidigen etc. - vgl. www.ccc.de -, fällt für mich in die Kategorie: juristisch ohne Sinn und Verstand und moralisch verkommen.
(via MMsSenf)
"Pseudo-Computerexperten", Herr Dr. Uhl? Es gibt da so ein weitbekanntes Sprichwort mit den Kernelementen "Glashaus" und "Steinen".
banger | ansatzweise politisch. | Fr, 17.04.2009, 12:57


Das Schlimme daran ist, daß diese miese Propaganda wirkt und ein Großteil der Bevölkerung die Lügen (450000 Klicks pro Tag, Milliardenumsätze der KiPo-Mafia...) einfach so schluckt und idiotischerweise auch noch der Meinung ist, die ganze Aktion wäre eine gar gute. Es ist zum Auswachsen - eigentlich vernünftige Leute haben in der Hinsicht dermaßen ein Brett vor dem Kopf und begreifen gar nicht was da eigentlich passiert.
Und was die Wahlen angeht, da werden es wohl leider die meisten tatsächlich wieder einmal so halten *seufz*...
Edit: Das Interview ist sehr interessant, aber aufgepaßt: Du linkst hier auf eine Seite, die auf eine Seite verlinkt die wiederum auf eine Seite verlinkt auf welcher sich mutmaßlich Dokumente befinden welche Links zu Seiten mit mutmaßlich illegalen Inhalten auflisten. In Zeiten wie diesen ist das brandgefährlich.
Edit2: Ich habe vorhin im Nachtmagazin auch das (viel zu kurze) Interview mit Christian Bahls gesehen. Die Tatsache, daß so etwas in der 1-Uhr-Sendung und nicht um 20:15 gebracht wird paßt natürlich ebenso ins Bild wie dieser meiner Meinung nach vollkommen hirnlose Kommentar, der kritiklos und offenbar ohne weitergehende Recherche das laienhafte Geseier nachplappert. Aber schon klar - das von mir zwangsfinanzierte Staatsfernsehen muß natürlich seinem staatspropagandistischen Auftrag nachkommen. Echter Qualitätsjournalismus eben. Irgendwie haben die alle den Schuß nicht gehört.
Noch schlimmer...
Es geht noch schlimmer: Der Umkehrschluss, dass jeder, der sich gegen diese affigen Pseudo-Maßnahmen stemmt, den Kindesmissbrauch unterstützt. Nachzulesen hier.
Das Drama ist: Man kann im sogenannten Superwahljahr wieder einmal gar keine Partei wählen. Frau Zypries hat ja zwar eingesehen, daß das Stopschild an sich Nonsens ist, fordert deshalb aber im gleichen Atemzug, das Ganze "auf tieferer Ebene" zu überwachen, denn wenn der Versuch des Zugriffs strafbar ist, dann müsse man ihn auch verfolgen... (davon abgesehen hätte ich sowieso nicht SPD gewählt, es gab auf diesen grandiosen Einwurf aber sogar Applaus von ganz links). Wie kann man also den ganzen Haufen bei den Wahlen am besten abwatschen?
Wie wählen?
Wie im Artikel schon richtig festgestellt: Falls nach Inkrafttreten der Regelung auch Whistleblower-Plattformen wie Wikileaks.org aufgrund der bereits wiederholt erfolgten Veröffentlichung von Sperrvorgaben anderer Länder von Anfang an auf die schwarze Liste aufgenommen würde, könnten somit auch Nutzer dieser Seiten auf dem Umweg über die Provider ins Visier der Strafverfolger geraten.
Und weiterhin: Neu ist auch das Anerkenntnis, dass die im Raum stehende Maßnahme in Grundrechte der Surfer eingreifen könnte. Allerdings glaubt die Bundesregierung, dem Grundgesetz mit dem "Zitiergebot" des insbesondere betroffenen Fernmeldegeheimnisses Genüge zu tun. Im Entwurf heißt es dazu lapidar, dass der entsprechende Artikel 10 der Verfassung eingeschränkt wird.
Wer jetzt noch glaubt, daß es bei der Geschichte wirklich darum geht etwas gegen den Kindesmißbrauch zu tun dürfte in etwa den IQ eines Kopfsalates haben... Ich frage mich wirklich so langsam, wann der Verfassungsschutz endlich anfängt die Verfassung vor der Regierung zu schützen - ach so, geht ja nicht - schließlich arbeiten die ja für die Regierung.
Das schlimme dabei:
Ein wenig erstaunlich ist, mit welcher Ungeduld, ja, fast schon Gewalt diese Regulierungen durchgesetzt werden sollen. Will man sich vor der Wahl noch hastig die Krone der Weltverbesserer auf den Kopf kleben?
über 134.000 Bürger und das Grundgesetz (Art. 5 Abs. 1) erfolgreich ignoriert!
Bravo!
Aber dann die Zensur in z.B. China anprangern!
Hoffentlich kommt sehr bald eine Verfassungsklage.