"Ich hab's doch gleich gesagt."
Nein, mir ist nicht danach, mir nun selbst auf die Schulter zu klopfen und gehässig zu lachen. Vor dem Hintergrund des Amoklaufs in Winnenden wäre es abartig, sich nun hönisch darüber auszulassen, wie großartig sich heute Polizei, Politik und Medien blamiert haben.
Der heutige Tag sollte nicht nur mir die Augen aufgerissen haben, wie sehr diverse Parteien schreckliche Ereignisse für sich zu instrumentalisieren. Seien es die Hohlköpfe von Politically Incorrect, die die Gelegenheit nicht ausließen, gegen die ultra-linke und antiautoritäre Lehrerschaft zu ätzen, oder etablierte Medien, die den Fall Headline für Headline reißerischer und blutgeiler präsentieren.
Ein trauriger Höhepunkt war die Veröffentlichung eines Handyvideos von der letzten Schießerei am gestrigen Tage. Der andere die Ente, Tim K. hätte seinen Amoklauf im Internet angekündigt, die heute das Bild in den Medien maßgeblich bestimmte - und sich letzten Endes dann doch als falsch herausstellte.
Der heutige Tag hat mich ernsthaft nachdenklich gemacht und zutiefst entsetzt. Ein Internet-Gag ist aus dem Kreis der eigentlichen Zielgruppe herausgeraten und wurde von der Polizei für bare Münze genommen. Der Baden-Württembergische Innenminister hat vor laufenden Kameras einen Text vorgelesen, der einigen Leuten das Kinn auf die Tischkante fallen lies. Landauf, landab haben die Medien die Meldung übernommen und weiter verbreitet.
Offensichtlich hat niemand die vermeintliche Ankündigung überprüft, niemand hat sie auch nur ansatzweise recherchiert, niemand hat sich ob der Tatsache, dass sie nur in Form eines digitalen Bildes, eines Ansammlung von Pixeln, existierte, gefragt, ob es sich dabei um ein belastbares Indiz handelt. Zu erpicht war man anscheinend darauf, möglichst schnell die üblichen Kriterien - Ballerspiele, Pornos und kranker Scheiß aus dem Internet - zu präsentieren und sich dies als Fahndungserfolg an die Brust zu heften.
Als - nicht nur von mir - Hinweise darauf kamen, dass man hier einem Fake aufgesessen sei, wurden dieses von Polizei und Staatsanwaltschaft zurückgewiesen mit der Behauptung - die sich, was die Sache besonders pikant macht, nun als fette Lüge erwies - man habe Beweise auf Tims PC sicherstellen können, welche die Ankündigung verifizierten. Das, liebe Leute, hat mein Vertrauen in die Staatsgewalt fürs erste nachhaltig erschüttert.
In Zeiten, wo unser Innenminister immer mehr in einen Kommunikations-Überwachungswahn gerät und unsere Familienministerin publikumswirksam Filter- und Sperrmaßnahmen gegen Kinderpornographie fordert, zeigen solche Fälle umso peinlicher auf, dass gewisse Leute von gewissen Dingen, über die sie sich zu entscheiden befugt fühlen, offensichtlich nicht mal einen blassen Schimmer haben. Dass dieses Versagen auch noch durch Lügen verschleiert werden soll, setzt dem Ganzen noch eine Krone auf.
Oder, um es im Internetjargon zu sagen: FAIL.
In meinem Bekanntenkreis befinden sich zwei Kriminalkommissare. Beide habe ich heute, den einen telefonisch, den anderen per Mail, kontaktiert und sie gebeten, die Kollegen in Baden-Württemberg darauf hinzuweisen, dass sie einer Finte aufgesessen sind. Auf die Mail habe ich bis jetzt noch keine Antwort; mein Gegenüber am Telefon machte einen Eindruck, der einem Schulterzucken gleichkam.
Nachtrag: Der angemailte hat mittlerweile geantwortet und sich für die Information bedankt, die er weitergegeben hat.
Wahrscheinlich werden sich in den folgenden Tagen die Mäuler darüber zerrissen, wie unglaublich geschmacklos die Bernds von krautchan.net doch sind, welch fieses Spiel sie doch mit dem Amoklauf trieben. Sicher, über den moralischen Stellenwert lässt sich diskutieren - wobei festgehalten werden muss, dass der Fake nicht von Bernd Außenstehenden gegenüber mutwillig als Faktum präsentiert wurde; es ist, wie schon oben erwähnt, ein Scherz, der dummerweise an Leute geriet, die damit nichts anfangen konnten. Dennoch war letztendlich nicht Bernd Auslöser des Übels; es wurde nur allzu deutlich eine Lücke in der Informationswahrnehmung und -verbreitung von Behörden und Öffentlichkeit aufgezeigt. Ein Exploit, wenn man so will, wenngleich sich dieser eher durch Zufall als durch aktive Forcierung auftat.
In diesem Sinne: EPIC WIN, Bernd.
Durch den ganzen Trubel ist heute aber eine Sache in den Hintergrund geraten, die eigentlich im Vordergrund stehen sollte: Das unfassbare Leid von Menschen, die von jetzt auf gleich ihre Kinder und Angehörigen verloren haben, durch eine Tat, auf die sich noch niemand so wirklich und umfassend einen Reim machen kann.
Habt ein Auge auf Eure Mitmenschen, Leute. Achtet sie, und achtet auf sie. Ein Mensch, der andere Menschen um sich hat, die ihn nicht nur als Subjekt in der Gesellschaft wahrnehmen (wenn überhaupt), sollte keinen Anlass dazu finden, eines Tages loszuziehen und andere zu vernichten. Es geht nicht nur um Ballerspiele, Sportschützen und dergleichen, die als alleiniges Übel vorgeschoben werden können. Es geht um Mitmenschen.
Und achtet darauf, was Ihr von dem, was man Euch auftischt, für bare Münze nehmt. Ich hoffe, der eine oder andere hat heute eine Lektion bekommen, was die Wertschätzung von Informationen angeht.
Nein, mir ist nicht danach, mir nun selbst auf die Schulter zu klopfen und gehässig zu lachen. Vor dem Hintergrund des Amoklaufs in Winnenden wäre es abartig, sich nun hönisch darüber auszulassen, wie großartig sich heute Polizei, Politik und Medien blamiert haben.
Der heutige Tag sollte nicht nur mir die Augen aufgerissen haben, wie sehr diverse Parteien schreckliche Ereignisse für sich zu instrumentalisieren. Seien es die Hohlköpfe von Politically Incorrect, die die Gelegenheit nicht ausließen, gegen die ultra-linke und antiautoritäre Lehrerschaft zu ätzen, oder etablierte Medien, die den Fall Headline für Headline reißerischer und blutgeiler präsentieren.
Ein trauriger Höhepunkt war die Veröffentlichung eines Handyvideos von der letzten Schießerei am gestrigen Tage. Der andere die Ente, Tim K. hätte seinen Amoklauf im Internet angekündigt, die heute das Bild in den Medien maßgeblich bestimmte - und sich letzten Endes dann doch als falsch herausstellte.
Der heutige Tag hat mich ernsthaft nachdenklich gemacht und zutiefst entsetzt. Ein Internet-Gag ist aus dem Kreis der eigentlichen Zielgruppe herausgeraten und wurde von der Polizei für bare Münze genommen. Der Baden-Württembergische Innenminister hat vor laufenden Kameras einen Text vorgelesen, der einigen Leuten das Kinn auf die Tischkante fallen lies. Landauf, landab haben die Medien die Meldung übernommen und weiter verbreitet.
Offensichtlich hat niemand die vermeintliche Ankündigung überprüft, niemand hat sie auch nur ansatzweise recherchiert, niemand hat sich ob der Tatsache, dass sie nur in Form eines digitalen Bildes, eines Ansammlung von Pixeln, existierte, gefragt, ob es sich dabei um ein belastbares Indiz handelt. Zu erpicht war man anscheinend darauf, möglichst schnell die üblichen Kriterien - Ballerspiele, Pornos und kranker Scheiß aus dem Internet - zu präsentieren und sich dies als Fahndungserfolg an die Brust zu heften.
Als - nicht nur von mir - Hinweise darauf kamen, dass man hier einem Fake aufgesessen sei, wurden dieses von Polizei und Staatsanwaltschaft zurückgewiesen mit der Behauptung - die sich, was die Sache besonders pikant macht, nun als fette Lüge erwies - man habe Beweise auf Tims PC sicherstellen können, welche die Ankündigung verifizierten. Das, liebe Leute, hat mein Vertrauen in die Staatsgewalt fürs erste nachhaltig erschüttert.
In Zeiten, wo unser Innenminister immer mehr in einen Kommunikations-Überwachungswahn gerät und unsere Familienministerin publikumswirksam Filter- und Sperrmaßnahmen gegen Kinderpornographie fordert, zeigen solche Fälle umso peinlicher auf, dass gewisse Leute von gewissen Dingen, über die sie sich zu entscheiden befugt fühlen, offensichtlich nicht mal einen blassen Schimmer haben. Dass dieses Versagen auch noch durch Lügen verschleiert werden soll, setzt dem Ganzen noch eine Krone auf.
Oder, um es im Internetjargon zu sagen: FAIL.
In meinem Bekanntenkreis befinden sich zwei Kriminalkommissare. Beide habe ich heute, den einen telefonisch, den anderen per Mail, kontaktiert und sie gebeten, die Kollegen in Baden-Württemberg darauf hinzuweisen, dass sie einer Finte aufgesessen sind. Auf die Mail habe ich bis jetzt noch keine Antwort; mein Gegenüber am Telefon machte einen Eindruck, der einem Schulterzucken gleichkam.
Nachtrag: Der angemailte hat mittlerweile geantwortet und sich für die Information bedankt, die er weitergegeben hat.
Wahrscheinlich werden sich in den folgenden Tagen die Mäuler darüber zerrissen, wie unglaublich geschmacklos die Bernds von krautchan.net doch sind, welch fieses Spiel sie doch mit dem Amoklauf trieben. Sicher, über den moralischen Stellenwert lässt sich diskutieren - wobei festgehalten werden muss, dass der Fake nicht von Bernd Außenstehenden gegenüber mutwillig als Faktum präsentiert wurde; es ist, wie schon oben erwähnt, ein Scherz, der dummerweise an Leute geriet, die damit nichts anfangen konnten. Dennoch war letztendlich nicht Bernd Auslöser des Übels; es wurde nur allzu deutlich eine Lücke in der Informationswahrnehmung und -verbreitung von Behörden und Öffentlichkeit aufgezeigt. Ein Exploit, wenn man so will, wenngleich sich dieser eher durch Zufall als durch aktive Forcierung auftat.
In diesem Sinne: EPIC WIN, Bernd.
Durch den ganzen Trubel ist heute aber eine Sache in den Hintergrund geraten, die eigentlich im Vordergrund stehen sollte: Das unfassbare Leid von Menschen, die von jetzt auf gleich ihre Kinder und Angehörigen verloren haben, durch eine Tat, auf die sich noch niemand so wirklich und umfassend einen Reim machen kann.
Habt ein Auge auf Eure Mitmenschen, Leute. Achtet sie, und achtet auf sie. Ein Mensch, der andere Menschen um sich hat, die ihn nicht nur als Subjekt in der Gesellschaft wahrnehmen (wenn überhaupt), sollte keinen Anlass dazu finden, eines Tages loszuziehen und andere zu vernichten. Es geht nicht nur um Ballerspiele, Sportschützen und dergleichen, die als alleiniges Übel vorgeschoben werden können. Es geht um Mitmenschen.
Und achtet darauf, was Ihr von dem, was man Euch auftischt, für bare Münze nehmt. Ich hoffe, der eine oder andere hat heute eine Lektion bekommen, was die Wertschätzung von Informationen angeht.
banger | bemerkenswert. | Do, 12.03.2009, 22:18


Sehr gut.
Danke