Will man in Foren, Kommentarbereichen oder anderen Orten der gemeinsamen schriftlichen Kommunikation mal einen richtig herben Schlagabtausch herbeiführen, so gibt es erfahrungsgemäß einen todsicheren Trigger dafür: Rechtschreibung, respektive das Anmerken oder -mahnen von Mängeln derselben.
Postwendend wird eine Diskussion losbrechen, in der man sich Schlagworte wie "Toleranz", "Rechtschreibnazi", "Besserwisser" und "Hochnäsigkeit" argumentativ um die Ohren (besser: vor die Augen) wirft. Mit ziemlicher Sicherheit wird auch ein trotziges Aber es weiß doch jeder, was ich meine! vorgebracht, oder, schlimmer noch: Man muss es ja nicht lesen, wenn es einem nicht gefällt!
Kurzum: Wer anderen eine fehlerhafte Rechtschreibung vorwirft oder sie auch nur darauf hinweist, wird als überkorrekter Motzkopf abgekanzelt.
Dabei ist die Sache doch diese: Wir bewegen uns hier in einem Medium, wo vorwiegend schriftlich miteinander kommuniziert wird. Dementsprechend sollte man Wert auf das Geschriebene legen, ebenso wie man in der Regel nicht mit einem Mettbrötchen im Mund telefoniert.
Die Fressmöbel nimmt man zum Sprechen aus dem Mund, um besser verstanden zu werden und seinem Gesprächspartner zu signalisieren, dass man einen gewissen Wert auf die stattfindende Kommunikation legt. Das ist selbstverständlich.
Im meinem beruflichen Umfeld gibt es sowohl in unserer Firma als auch extern einen Haufen Leute, die mit Kommunikation einen Haufen Geld verdienen. Die sich in stundenlangen Sitzungen gegenseitig lächelnd sorgsam zurechtgelegte Sätze präsentieren. Bekommt man aber mal den Schriftverkehr zwischen diesen Personen zu sehen, treibt es einem die Schamesröte ins Gesicht.
Eine E-Mail voller Rechtschreib- und Grammatikfehler zu verschicken ist in meinen Augen ein Mittel, dem Empfänger zu sagen, dass man ihn nicht für voll nimmt.
Hinzu kommt, dass Fehler gerne adaptiert werden und die Falschschreibung dadurch immer weiter verankert wird. Versuchen Sie doch mal, den Leuten die Schreibweise Standart abzugewöhnen!
Dieser Text beschreibt die Problematik recht gut:
Es ist der sprachliche Inzesteffekt, der so gefährlich ist: Jemand schreibt schlecht - beherrscht vielleicht nicht einmal den Unterschied zwischen mann und man. Kann ß und ss nicht auseinanderhalten. Weiß nicht, daß [sic!] auf die allermeisten Satzzeichen Leerzeichen folgen. Kurzum: Jemand, der schon in der Grundschule aufgegeben hat, sein Schreibvermögen zu verbessern. Wenn so einer das tut, was angezeigt ist, nämlich nach Möglichkeit nur seine Unterschrift zu schreiben, richtet er keinen Schaden an.
Tobt er dagegen durch Blogs und demonstriert seinen reichlichen Schatz von törichten Fehlern, so wird er gelesen. Gelesen von Menschen, die richtig sprechen und schreiben können, die nur den Kopf schütteln. Gelesen aber auch von vielleicht Unsicheren, von Ausländern, die sich bemühen, Deutsch zu lernen, von jungen Menschen, die gerade erst beginnen, Sprachgefühl zu entwickeln. Die lesen also wie gesagt das fehlertriefende Machwerk, übernehmen Stil- und Grammatikversagen und schreiben nunmehr selbst so. Sie werden wiederum gelesen vom erstgenannten, schlechten Schreiber, der übernimmt... und so weiter und sofort. Sprachlicher Inzest, und am Ende der Entwicklung steht monotones Grunzen und eine Armee von Gutmenschen, die auf jeden einschlägt, der sagt, daß sprechen früher doch irgendwie schöner war.
(Kommentar von Leser Tom im Bestatterweblog)
Dem schließe ich mich - abgesehen vom ß-Fehler - zu 100% an. Die Reaktionen darauf können Sie sich bestimmt denken, oder im Bestatterweblog nachlesen.
Kurzum: Es scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein, sprachlich grob zu schludern. Fügt man sich dem nicht, gibt es Haue.
Disclaimer, aus Erfahrung: Dieser Text richtet sich nicht gegen Menschen, die unter LRS leiden oder aus anderen Gründen die Sprache und/oder Rechtschreibung nicht beherrschen. Es geht um Leute, die die Möglichkeit hätten, anständig zu schreiben, aber zu faul, doof, oder bequem sind, sie zu nutzen.
Postwendend wird eine Diskussion losbrechen, in der man sich Schlagworte wie "Toleranz", "Rechtschreibnazi", "Besserwisser" und "Hochnäsigkeit" argumentativ um die Ohren (besser: vor die Augen) wirft. Mit ziemlicher Sicherheit wird auch ein trotziges Aber es weiß doch jeder, was ich meine! vorgebracht, oder, schlimmer noch: Man muss es ja nicht lesen, wenn es einem nicht gefällt!
Kurzum: Wer anderen eine fehlerhafte Rechtschreibung vorwirft oder sie auch nur darauf hinweist, wird als überkorrekter Motzkopf abgekanzelt.
Dabei ist die Sache doch diese: Wir bewegen uns hier in einem Medium, wo vorwiegend schriftlich miteinander kommuniziert wird. Dementsprechend sollte man Wert auf das Geschriebene legen, ebenso wie man in der Regel nicht mit einem Mettbrötchen im Mund telefoniert.
Die Fressmöbel nimmt man zum Sprechen aus dem Mund, um besser verstanden zu werden und seinem Gesprächspartner zu signalisieren, dass man einen gewissen Wert auf die stattfindende Kommunikation legt. Das ist selbstverständlich.
Im meinem beruflichen Umfeld gibt es sowohl in unserer Firma als auch extern einen Haufen Leute, die mit Kommunikation einen Haufen Geld verdienen. Die sich in stundenlangen Sitzungen gegenseitig lächelnd sorgsam zurechtgelegte Sätze präsentieren. Bekommt man aber mal den Schriftverkehr zwischen diesen Personen zu sehen, treibt es einem die Schamesröte ins Gesicht.
Eine E-Mail voller Rechtschreib- und Grammatikfehler zu verschicken ist in meinen Augen ein Mittel, dem Empfänger zu sagen, dass man ihn nicht für voll nimmt.
Hinzu kommt, dass Fehler gerne adaptiert werden und die Falschschreibung dadurch immer weiter verankert wird. Versuchen Sie doch mal, den Leuten die Schreibweise Standart abzugewöhnen!
Dieser Text beschreibt die Problematik recht gut:
Es ist der sprachliche Inzesteffekt, der so gefährlich ist: Jemand schreibt schlecht - beherrscht vielleicht nicht einmal den Unterschied zwischen mann und man. Kann ß und ss nicht auseinanderhalten. Weiß nicht, daß [sic!] auf die allermeisten Satzzeichen Leerzeichen folgen. Kurzum: Jemand, der schon in der Grundschule aufgegeben hat, sein Schreibvermögen zu verbessern. Wenn so einer das tut, was angezeigt ist, nämlich nach Möglichkeit nur seine Unterschrift zu schreiben, richtet er keinen Schaden an.
Tobt er dagegen durch Blogs und demonstriert seinen reichlichen Schatz von törichten Fehlern, so wird er gelesen. Gelesen von Menschen, die richtig sprechen und schreiben können, die nur den Kopf schütteln. Gelesen aber auch von vielleicht Unsicheren, von Ausländern, die sich bemühen, Deutsch zu lernen, von jungen Menschen, die gerade erst beginnen, Sprachgefühl zu entwickeln. Die lesen also wie gesagt das fehlertriefende Machwerk, übernehmen Stil- und Grammatikversagen und schreiben nunmehr selbst so. Sie werden wiederum gelesen vom erstgenannten, schlechten Schreiber, der übernimmt... und so weiter und sofort. Sprachlicher Inzest, und am Ende der Entwicklung steht monotones Grunzen und eine Armee von Gutmenschen, die auf jeden einschlägt, der sagt, daß sprechen früher doch irgendwie schöner war.
(Kommentar von Leser Tom im Bestatterweblog)
Dem schließe ich mich - abgesehen vom ß-Fehler - zu 100% an. Die Reaktionen darauf können Sie sich bestimmt denken, oder im Bestatterweblog nachlesen.
Kurzum: Es scheint gesellschaftlich akzeptiert zu sein, sprachlich grob zu schludern. Fügt man sich dem nicht, gibt es Haue.
Disclaimer, aus Erfahrung: Dieser Text richtet sich nicht gegen Menschen, die unter LRS leiden oder aus anderen Gründen die Sprache und/oder Rechtschreibung nicht beherrschen. Es geht um Leute, die die Möglichkeit hätten, anständig zu schreiben, aber zu faul, doof, oder bequem sind, sie zu nutzen.
Tags: Rechtschreibung
banger | bemerkenswert. | 30. Jun, 14:01
515x gelesen | 15 Kommentare | Kommentar verfassen | 0 Trackbacks


