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Kleine Überraschung heute Morgen: Im ALDI stelle ich fest, dass es Laufshirts, -jacken und -hosen für die Herbstsaison gibt, was sich erstaunlich präzise mit meinem Bedarf deckt. Dass dies nicht nur mit meinem Bedarf so ist, stelle ich mit leichter Verbitterung fest, nachdem ich im Laufe des Tages insgesamt drei Filialen aufsuchen musste, um alle Teile zu bekommen.
"Es ist schon ein Kreuz, dass sich der Kram von ALDI einer solchen Beliebtheit erfreut", denke ich mir - und erinnere mich im selben Moment daran, wie das früher war.

Irgendwann in der Zeit um das Ende der Grundschulzeit und den Beginn der gymnasialen Zeitrechnung herum, also zeitlich gesehen dort, wo sich so etwas wie ein marktwirtschaftliches Bewusstsein ins Gehirn drängt, herrschte in Hinblick auf eine Ein- und Wertschätzung von monetären und faktischen Werten noch ein krasses Ungleichgewicht zu Gunsten von namhaften und höherpreisigen Artikeln. Oder, simpler ausgedrückt: Allseits bekannte Marken wurden auf den Schulhöfen zum Minimalstandard deklariert (ich glaube, das ist heute immer noch so), wohingegen es als absolutes no-go propagiert wurde, auch nur Teile seines alltäglichen Bedarf beim Discounter zu stillen. Ja, die Behauptung, man habe die Mutter eines Mitschülers beim Einkauf im ALDI beobachtet, galt als ernsthafte Diskreditierung. Aus unserer Sicht war der ALDI eine Versorgungsplattform für pummelige Kopftuchträgerinnen, die laut und hochfrequent modulierend in einer für uns nicht verständlichen Sprache kommunizierten und die Einkäufe aus den überdimensional groß erscheinenden Einkaufswagen in den großfamiliengerechten Ford Transit packten. Konsequenterweise nannte man die Einkaufstüten mit dem großen "A" auch "Türkenkoffer" - gleichfalls etwas abwertend als auch bezeichnend, wurden sie von dem einen oder anderen türkischen Klassenkameraden aus einer nicht so wohlhabenden Arbeiterfamilie als eben solche benutzt.
Ausnahmen wurden nur im kleinen Rahmen gemacht, so wurde es als marktwirtschaftliche Begebenheit hingenommen und gar willkommen geheißen, dass man für sein Taschengeld wesentlich mehr River Cola bekam als vom rot-weißen Original. Mehr aber auch nicht.

Erst einige Jahre später brachte man es, quasi als Initiationsritus in die Vorstufe zum Erwachsensein, über sich, mit fester Stimme zu annoncieren, dass die Mutter sehr wohl gewisse Teile des Wocheneinkaufs bei ALDI erledigen würde, was im Hinblick auf eine fünfköpfige Familie nicht nur tolerabel, sondern als schlau zu bewerten sei. Im Soge dieser Outings stellte sich dann nach und nach heraus, dass die Discounterkäufer keineswegs die Außenseiter waren, sondern in der Überzahl. Man brauchte nur erst eine gewisse Reife, um es sich und den anderen gegenüber einzugestehen und schließlich als Selbstverständlichkeit zu akzeptieren.
Fortan drehten sich die Gespräche über ALDI - sofern man sich als Jugendlicher überhaupt mit dem Thema beschäftigte - in erster Linie darum, welche Markenartikel man dort unter einem Decknamen zu einem weitaus günstigeren Preis erwerben könne. Was ja auch heute noch ein Thema ist, damals aber ungleich nebulöser war; man hatte ja noch kein Internet und war auf Insider-Informationen angewiesen.

Mittlerweile, das ist kein Geheimnis, ist das ALDI-Tabu vollends gebrochen, das Bild hat sich gewandelt. Sogar soweit, dass der Discounter bei mir unter den in direkter Nähe verfügbaren Lebensmittelbeschaffungseinrichtungen klar den ersten Platz belegt.
Um den letzten Rang zoffen sich auf Augenhöhe Plus und Penny; mal punktet der Plus mit seinem grundsätzlich miesepetrigen Personal und seltsamen Exemplaren von Kundschaft, dann holt der Penny-Markt mit furztrockenem Ingwer, Spargel im Inge-Meysel-Look und blauschimmelverzierten Aufbackbaguettes zum satten Gegenschlag aus. Überhaupt ist die Obst- und Gemüseabteilung für mich mit das ausschlaggebende Kriterium in der Supermarktbewertung. Im Penny gehe ich da nur angewidert dran vorbei, der Plus ist schon etwas besser, aber dennoch grenzwertig. Der real-Markt schlägt sich da schon deutlich besser, lässt aber generell zu wünschen übrig. Ich nannte den real,- mal im Scherz "die DDR unter den Supermärkten", was sich leider aber immer wieder als Wirklichkeit herausstellt: Man kultiviert dort leere Regale. Samstags bis 22 Uhr geöffnet - um 14 Uhr ist der Dosenmais alle und wird auch auf Nachfrage nicht wieder befüllt. Tartar um die Zeit an der Frischetheke? Als ob, "ist aus". Das Waschmittel? "Bekommen wir Mitte der Woche wieder rein. Wahrscheinlich. Sonst erst nächste Woche." Und auch hier: Seltsame Kundschaft, dominiert durch kleinwüchsige Asiaten, die diametral dimensionierte Automobile durch das viel zu enge Parkhaus zu manövrieren versuchen - ein Schau- wie Trauerspiel gleichermaßen.
Im Vergleich dazu ist der Einkauf bei ALDI von Entspannung geprägt. Artikel werden nachgefüllt, das Obst- und Gemüsesortiment ist überschaubar, aber solide und, von Ausfallerscheinungen kurz vor Geschäftsschluss abgesehen, auch gepflegt. Die Kundschaft schreit sich nicht an, die Kassiererinnen schreien die Kundschaft nicht an, wissen sowohl aktiv als auch passiv mit Höflichkeitsfloskeln umzugehen, nerven nicht mit der Frage nach der Teilnahme an diversen Bonusprogrammen und überhaupt geht alles wesentlich schneller.

Gut, bei den Sonderposten muss man schon mal Glück haben oder quer durch die Stadt durch die Filialen tingeln, was mit dem Beruf nicht immer einfach zu vereinbaren ist - aber nun habe ich mein Zeug und bin angemessen glücklich darüber. So muss das.
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Kommentiert

Nun,
um es kurz zu machen: Von der einmaligen Anwendung...
banger - 22. Dez, 23:07
So isses recht: nix umkommen...
So isses recht: nix umkommen lassen sondern tapfer...
Schlauschiesser (Gast) - 21. Dez, 12:57
Da
scheint etwas grün-dlich schiefgegangen zu sein.
pathologe - 19. Dez, 15:27
Ich ließ mir mal...
Ich ließ mir mal sagen, dass Aborigines eher...
banger - 18. Dez, 13:44
Waschen?
Ach, wieso? Es moost doch gerade so schön zu.
banger - 18. Dez, 13:43
Da ist wohl jemand
der Fremdenlegion beigetreten! Oder Sie sollten sich...
flo (Gast) - 18. Dez, 13:40
Herr Banger, sind Sie...
Herr Banger, sind Sie jetzt unter die Aborigines gegangen?...
NeonWilderness - 18. Dez, 01:52
Öh...
Nee, den Listenpunkt "Weihnachtsmarkt" habe ich dieses...
banger - 15. Dez, 16:23

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Mein Senf

Nun,
um es kurz zu machen: Von der einmaligen Anwendung...
banger - 22. Dez, 23:07
Ich ließ mir mal...
Ich ließ mir mal sagen, dass Aborigines eher...
banger - 18. Dez, 13:44
Waschen?
Ach, wieso? Es moost doch gerade so schön zu.
banger - 18. Dez, 13:43
Öh...
Nee, den Listenpunkt "Weihnachtsmarkt" habe ich dieses...
banger - 15. Dez, 16:23
Das sieht mir ziemlich...
Das sieht mir ziemlich nach diesem Problem aus. Hoffe...
banger - 11. Dez, 09:53

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